Alles nur geklaut?

Outdoor cannabis

In der Zeitschrift GROW! (Ausgabe 1/2001, November/Dezember 2000, Seite 60) wird behauptet, dass die Autoren der “Hanfbibel” – Jack Herer und Mathias Bröckers – eigentlich alles bei Hans-Georg Behr, dem Autor des Buchs “Von Hanf ist die Rede” geklaut hätten. HANF! bat Mathias Bröckers um eine Stellungnahme zu diesem Vorwurf.

Seit Jahren geht Hans Georg Behr nun schon mit der weinerlichen Mär hausieren, dass Jack Herer bei Bruce Anderson beziehungsweise ich bei ihm abgeschrieben hätten und der Bestseller “The Emperor wears no clothes” / “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf” eigentlich auf seinem Mist – “Von Hanf ist die Rede” – gewachsen sei. Dass ein anonymer Autor das jetzt in der GROW! nachbetet, macht das Märchen nicht wahrer.

Den entscheidenden Unterschied zwischen beiden Büchern erkennt jeder Leser sofort: Behrs Werk ist eine Kulturgeschichte des Haschischs, mit einigen wenigen Hinweisen auf die Nutzpflanze Hanf, während Jack Herers Buch genau umgekehrt funktioniert: neben wenigen Hinweisen auf die Geschichte des Rauschs geht es vor allem auf das wirtschaftliche, ökologische und medizinische Potenzial des Hanfs ein. Dies war das entscheidend Neue an Jack Herers Ansatz, und eben deshalb hat sein Buch soviel mehr bewegt als Behrs Kulturgeschichte des Kiffens. Erst seit dem gelben Hanfbuch, das 1993 bei Zweitausendeins erschien, ist in Deutschland tatsächlich wieder von Hanf die Rede!

Als ich für das Buch zur deutschen und europäischen Geschichte des Nutzhanfs recherchierte, fragte ich natürlich auch bei Hans Georg nach, den ich seit meiner Zeit als TAZ-Redakteur in den 80ern kenne und nicht nur als Haschisch-Experten, sondern auch als Autor hochgradig schätze. Doch die ökologischen und ökonomischen Aspekte des Hanfs interessierten ihn nicht, genausowenig, wie er meine Pläne ernst nahm, in Deutschland wieder eine Hanf-Wirtschaft in Gang zu bringen. Stattdessen klagte er darüber, dass sein “Von Hanf ist die Rede” nur noch in einer verstümmelten Taschenbuchausgabe erhältlich sei. Als dann nach dem Bestseller-Erfolg des gelben Buchs der Zweitausendeins-Verlag bei mir nach weiteren veröffentlichenswerten Hanfbüchern anfragte, empfahl ich Lester Grinspoons “Die verbotene Medizin” und … – Hans Georg Behrs “Von Hanf ist die Rede”. Beide erschienen dann auch bei Zweitausendeins, letzteres in einer vollständigen und prächtigen Hardcover-Ausgabe und zum ersten Mal auf Hanfpapier! Kein Grund eigentlich für den guten Georg, Jack und mich des Diebstahls zu bezichtigen – im Gegenteil, ohne den Megahit des “Emperors” wäre sein toller Oldie wahrscheinlich nie wieder zu solch einer Neuauflage gekommen!

Was die spannende Entstehungsgeschichte der Hanfbibel in den USA betrifft – von einem Flugblatt, über einen Artikel, eine Broschüre bis zum Underground-Bestseller Nr. 1 – hat Jack Herer darüber zum Beispiel in einem großen biographischen Interview mit der HANF! (Ausgabe Januar 2000, Millenniumzugabe) Auskunft gegeben. Wie sich diese Geschichte dann in Deutschland fortsetzte, habe ich vor einiger Zeit im “Definitiven Hanf Handbuch” (Verlag Medienexperimente) ausführlich beschrieben. Von allen diesen Informationen hatte der namenlose Autor dieses Artikels offenbar keinerlei Dunst – und wollte ihn wohl auch gar nicht haben. Nach dem Motto: Besser anonym Gerüchte verbreiten als persönlich recherchieren und nachfragen. Bleibt in Sachen Hanf nach fast einem Jahrhundert Desinformation und Prohibition nur zu hoffen, dass andere GROW!- Artikel zum Thema einen höheren Realitätsgehalt aufweisen als dieser – ansonsten sind sie das Holzpapier, auf dem sie gedruckt sind, leider nicht wert.

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