Glossa Continua Cannabica

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Ein Bulldozer aus Frankreich …

“Dass Chirac zu allem fähig ist, wissen wir ja spätestens seit dem EU-Gipfel in Berlin.” So ein deutscher Diplomat während des EU-Gipfels von Nizza. Ich weiß es schon seit dem EU-Gipfel von Amsterdam (1997): Da wollte der größenwahnsinnige Politiker die Coffeeshops schließen lassen.

… und zwei aus Deutschland

“Schönes Deutschland – Hässliche Deutsche? – Welche Republik wollen wir?” lautete das Thema der hundertsten Sendung “321” des HESSISCHEN RUNDFUNKS. Als Gäste waren geladen: Otto Schily und Günther Beckstein. Bessere oder vielmehr schlechtere Exemplare hätte ich auch nicht auftreiben können.

In England haben sie eine Hausdurchsuchung gemacht und dabei Beweismaterial sichergestellt: Tonpfeifen, die nun im Polizeilabor auf Spuren verbotener Substanzen (sprich: Haschisch) untersucht werden. Nichts Besonderes, denkt der Leser, aber: Der Delinquent heißt William Shakespeare, das Haus ist der “New Place”, in dem er bis zu seinem Tod 1616 gewohnt hat. Zwei Wissenschaftler haben durch genaue Textanalyse Verdacht geschöpft und die Untersuchungen veranlasst. Das wird dem Schwan von Avon nur neue Verehrer einbringen. Vielleicht fängt auch unser Zlatko an, sich für den zu interessieren.

“Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden.” (Cicero, 55 v. Chr.)
Auf manche Sachen kann man sich verlassen. Die Zahl der polizeilichen Telefonabhöraktionen zum Beispiel nimmt Jahr für Jahr “deutlich” zu. Diesmal um zwölf Prozent auf 3.034 Verfahren, von denen 6.443 Personen betroffen waren. Natürlich standen die meisten Abhörverfahren in Zusammenhang mit Drogendelikten. Es folgten, mit weitem Abstand, als dekorativer Rahmen sozusagen, räuberische Erpressung sowie Mord, Totschlag und Völkermord. Auf einen Joschka Fischer, der vor allem den Völkermord verabscheut, kommen zehn Schilys und Becksteins, denen Drogendelikte besonders zu Herzen gehen und die einen Polizeistaat im Auge haben, den selbst konservative Praktiker ablehnen. Bayerns LKA-Chef Hermann Ziegmans beispielsweise sagte, auf die geplante UN-Konvention gegen das organisierte Verbrechen angesprochen: “Wenn ein Staat nur den Interessen der Polizei folgen würde, wäre er letzten Endes ein Polizeistaat. Das sieht auch die Polizei ein.” (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)

Ende des Jahres fand in Karlsruhe ein Prozess gegen eine Rechtsanwältin statt, die eine BGS-Kontrolle im Zug erlebt und die Beamten beschimpft hatte. Von “rassistisch angehauchten Kontrollen” war die Rede. Freispruch. Jubel im Saal. Die Aussagen der Rechtsanwältin seien vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, so der Richter. Man braucht diesem Treiben also nicht wort- und tatenlos zuzuschauen. Wie ein Leser in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG schrieb: “Schlimm genug, dass unbescholtene Menschen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln vom BGS ohne konkreten Verdacht und außerhalb von Fahndungsmaßnahmen kontrollieren lassen sollen. Das erinnert mich an Filme aus einer 60 Jahre vergangenen Epoche.”

Wobei auch diese liberale SZ nicht ansteht, “Fahndungserfolge” – also die Beschlagnahme von ein paar Gramm oder meinetwegen Kilo Dope – die durch solch fragwürdige Methoden zustande gekommen sind, zu annoncieren und sich zum Mitteilungsblatt des Herrn Beckstein erniedrigen zu lassen.

Um noch einmal auf die Grenzkontrollen zurückzukommen: Holland ist – manche werden das längst vergessen haben – Mitglied der EU. Im sogenannten Schengener Vertrag haben sich die EU-Mitgliedsländer darauf verpflichtet, die Kontrollen an den Binnengrenzen – und die deutsch-holländische ist eine solche – abzubauen. Und: Holland und Deutschland stehen gleichermaßen gut da in der Missbrauchsskala. In Luxemburg zum Beispiel ist der “Drogenmissbrauch” mehr als dreimal so häufig. Bauen die da jetzt einen “Checkpoint Charly” hin?

Und was den SPIEGEL betrifft, der da Krokodilstränen über die BGS-Krake vergossen hat: Der hat zwei Ausgaben später einen hässlichen Crack-Artikel zum Anlass genommen, nach noch mehr Polizei zu rufen und die barbarische amerikanische Mindeststrafenregelung zu rechtfertigen. Die sei gegen die Crack-Seuche gerichtet gewesen; tatsächlich traf und trifft es in der Hauptsache die Marihuana-Gebraucher.

Legalize it – oder besser doch nicht?

Nun ist also Xavier Naidoo verurteilt worden: 20 Monate auf Bewährung und 100.000 Mark Geldstrafe wegen Rauschgiftbesitzes und Fahrens ohne Führerschein. Naidoo hatte in einem Interview mit BUNTE gesagt, er rauche “eigentlich ziemlich viel Marihuana”, und damit die Ermittler auf den Plan gerufen. Sie fanden 48 Gramm oder “334 Konsumeinheiten”. Vor dem Prozess hatte der Sänger noch getönt, er wolle eine Diskussion über Drogen entfachen und eventuell nach Holland auswandern: “Es ist für mich nicht länger tragbar, deswegen kriminalisiert zu werden.” Nach dem Prozess klang alles ganz anders: “Ich weiß auf jeden Fall, dass es falsch war. Ich werde jetzt in meinen Konzerten zum Kampf gegen Rauschgift aufrufen.” Hoffentlich vor leeren Reihen. Welch ein erbärmlicher Feigling. Nichts los mit dieser Generation.

Kein Vergleich zum Beispiel mit einem Hans Söllner, der nicht klein beigibt im Kampf mit Becksteins Truppen und sich ein hohes Ansehen erworben hat – sogar bei Intellektuellen, die sonst nichts übrig haben für bayrische Derbheiten. Da kann Naidoo nur von träumen; soll ruhig weiter Soft-Musik für Teenies machen und uns mit seiner Großmäuligkeit verschonen. Wie demoralisierend muss so etwas auf den kleinen Kiffer wirken, wenn einer, der locker eine Schar von Anwälten anheuern und bezahlen kann, dermaßen den Schwanz einzieht, wenn’s mal zur Sache geht. Oder hat der Mann noch ein As im Ärmel? Alles nur Taktik, Ablenkungsmanöver; kommt da noch was? Hoffen wir’s, und geben wir ihm, wie das Mannheimer Gericht, eine Bewährungschance.

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