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Kurzmeldungen aus aller Welt

Wissenschaft/USA: Marihuanastudie mit Aids-Patienten in Kalifornien

Die Drogenbehörde der USA (DEA) hat ein Programm genehmigt, das einem nordkalifornischen Kreis erlaubt, im Rahmen einer Studie, die den gesundheitlichen Nutzen von Cannabis abschätzen soll, von der Regierung angebautes Marihuana an Aids-Patienten abzugeben.

Die zwölfwöchige Studie im Kreis San Mateo könnte bereits im Januar 2001 beginnen, erklärte Kreisrat Mike Nevin. Die DEA genehmigte sie am 22. November. Der Kreis wird die erste lokale Regierungsbehörde im Land sein, die die sonst illegale Droge verteilen wird. “Womit wir enden könnten, ist der wissenschaftliche Beweis, dass dies eine Medizin ist, die von Ärzten verschrieben werden sollte,” erklärte Nevin.

Dr. Dennis Israelski, Leiter für Infektionskrankheiten an den Kreiskrankenhäusern und -kliniken, wird die Studie überwachen. Das Kreisgesundheitszentrum von San Mateo wird Marihuana-Zigaretten an HIV- und Aids-Patienten abgeben, die an neurologischen Störungen leiden.

Nevin lehnt die Entkriminalisierung von Marihuana ab, erklärte jedoch, dass sein medizinischer Wert weiter abgeklärt werden sollte. “Die Droge Menschen zu verweigern, die sie benötigen, ist ein Verbrechen,” erklärte er. Die Räte hätten 500.000 US-Dollar aus Geldern des Kreises für das Projekt bereitgestellt, sagte Nevin.

Wenn die 12-Wochen-Studie erfolgreich ist, würde der Kreis gern weitere Marihuana-Studien für Krebs- und Glaukompatienten anschließen, erklärte Margaret Taylor, Direktorin des Kreisgesundheitszentrums von San Mateo. “Wir hoffen, dass dies nur ein Anfang ist,” sagte sie.

Quellen: AP vom 23. November 2000, SAN FRANCISCO CHRONICLE vom 23. November 2000

Deutschland: Oberstaatsanwalt schlägt Modelle für medizinische Verwendung von Cannabis vor

Nach einem Gutachten eines Oberstaatsanwaltes kann die medizinische Verwendung von Cannabis in Deutschland erlaubt werden. Dr. Hans-Harald Körner, Leiter der Zentralstelle für die Bekämp-fung der Betäubungsmittelkriminalität bei dem Generalstaatsanwalt in Frankfurt (Hessen) untersuchte die Verfassungsmäßigkeit des Verbotes von Cannabis für medizinische Zwecke sowie die Frage, ob eine Abgabe von Cannabis an Kranke mit den internationalen Suchtstoffübereinkommen in Übereinstimmung stehe. In seinem Gutachten schlägt er Modelle zur Abgabe von Cannabis an Kranke vor, wie etwa die Abgabe durch Stadtgesundheitsämter oder städtische Kliniken.

Quelle: Körner HH: Kann die medizinische Nutzung von Cannabis erlaubt werden? Zentralstelle für die Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität, Frankfurt 2000

USA: Colorado und Nevada stimmen Gesetzesinitiativen für die medizinische Verwendung von Marihuana zu

Trotz des landesweiten Verbotes von Marihuana stimmten Colorado und Nevada bei den allgemeinen Wahlen am 7. November für eine Erlaubnis seiner medizinischen Verwendung. In den letzten vier Jahren wurden in Kalifornien, Oregon, Washing-ton, Alaska, Maine und Hawaii ähnliche Gesetze zur medizinischen Nutzung von Marihuana verabschiedet.
In Nevada stimmten 67 Prozent der Wähler für die medizinische Verwendung von Marihuana. Vor zwei Jahren wurde die Initiative von 59 Prozent unterstützt. Die Wähler mussten die Gesetzesinitiative in zwei aufeinander folgenden Wahlen bestätigen. Patienten müssen sich staatlich registrieren lassen, um nach den staatlichen Gesetzen geschützt zu sein.

In Colorado stimmten 54 Prozent der Wähler dem 20. Zusatz zu, wonach, wie in Nevada, Patienten, die an Krebs, Glaukom, HIV/AIDS, Multipler Sklerose und chronischen Störungen des Nervensystems erkrankt sind, mit Erlaubnis ihres Arztes Marihuana verwenden dürfen. In Colorado dürfen Patienten bis zu zwei Unzen (56 Gramm) Marihuana besitzen oder sechs Cannabispflanzen anbauen. In Kalifornien stimmten 61 Prozent der Wähler für Antrag 36. Erst- und Zweitvergehen gegen die Drogengesetzgebung, die nicht im Zusammenhang mit Gewalt stehen, werden durch einen Zwang zur Drogentherapie geahndet. Eine Gefängnisstrafe fällt weg.

Quellen: ASSOCIATED PRESS vom 8. November 2000; NORML vom 9. November 2000

Australien: Neu-Süd-Wales erwägt legale medizinische Verwendung von Cannabis

In Neu-Süd-Wales könnten Patienten, die an chronischen Schmerzen oder einer unheilbaren Krankheit leiden, bald im Rahmen einer Reformierung der Drogengesetzgebung Cannabis verwenden dürfen.

Die Reformen wurden von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Professor Wayne Hall, Direktor des Nationalen Zentrums für Drogen- und Alkoholforschung (National Drug and Alcohol Research Center), vorgeschlagen. Beteiligt waren Wissenschaftler und Ärzte, Sprecher des Krebskomitees und des Aids-Komitees von NSW, die Juristenvereinigung von NSW, die Australische Medizinische Gesellschaft, Regierungsbehörden und andere.
Die Patienten würden eine kurzzeitige Ausnahmegenehmigung erhalten, die es ihnen ermöglichte, in einem von ihrem Arzt festgelegten Zeitraum Cannabis zu rauchen und bis zu fünf Pflanzen für den eigenen Bedarf zu ziehen. Der Premierminister von Neu-Süd-Wales, Bob Carr, hat dem Vorschlag prinzipiell zugestimmt.

In seinem Brief an den Premier schreibt Dr. Hall: “(…) Cannabinoidsubstanzen können bei der Behandlung einiger Erkrankungen wertvoll sein. Dazu zählen Gewichtsabnahme bei HIV, Übelkeit in Zusammenhang mit einer Krebs-Chemotherapie, Muskelkrämpfe bei einigen neurologischen Störungen und Schmerzen, die durch herkömmliche Schmerzmittel nicht gelindert werden können. (…) Die Arbeitsgruppe ist übereingekommen, dass Cannabis in nicht weiterverarbeitetem Zustand nicht verschreibungsfähig ist, und dass es wahrscheinlich in Australien nie verschrieben werden wird. (…) Im besten Fall dauert es noch Jahre, bis Cannabinoid-Medikamente in Australien zugelassen werden. Da Patienten mit einigen der genannten Erkrankungen erwiesenermaßen Cannabis aus medizinischen Gründen rauchen, hat die Arbeitsgruppe einen Weg vorgeschlagen, wie Cannabis in einem begrenzten Umfang Patienten, die von seiner Verwendung profitieren können, zur Verfügung gestellt werden kann.”

Quellen: SYDNEY MORNING HERALD vom 2. November 2000; Persönliche Mitteilung von Wayne Hall; Working Party on the Use of Cannabis for Medical Purposes: The Use of Cannabis for Medical Purposes. Bericht an den Premierminister von Neu-Süd-Wales, Sydney 2000

Wissenschaft: Endocannabinoide verhindern Krämpfe der Atemwege und Husten

Eine Gruppe internationaler Forscher hat herausgefunden, warum Marihuana in manchen Fällen Husten auslöst und in anderen Krämpfe der Atemwege und Husten verhindert. Diese Forschungsergebnisse könnten die Behandlung von Atemwegserkrankungen verbessern.
In einem Bericht für die Zeitschrift NATURE zeigten Wissenschaftler des Instituts für experimentelle Medizin in Budapest, Ungarn, der Universität Neapel und der Universität Washington auf, wie das Endocannabinoid Anandamid die Atemwege in der Lunge beeinflusst. In Tierversuchen mit Meerschweinchen und Ratten zeigte Anandamid zwei verschiedene Wirkungen auf die Bronchien. Wenn sich die Lungenmuskeln durch ein Reizmittel (Capsaicin) zusammenzogen, sorgte das Endocannabinoid für eine Entspannung der glatten Muskulatur und wies einen starken hustenhemmenden Effekt auf. Wenn die Atemwege jedoch entspannt waren (durch Entfernung des zusammenziehenden Effektes des Vagusnervs), löste Anandamid einen Hustenanfall aus.

Anandamid wird im Lungengewebe gebildet und übt seine Wirkung über Cannabinoidrezeptoren aus. Ein CB1-Rezeptor-Antagonist, jedoch kein CB2-Antagonist, verhinderte die entspannende Wirkung von Anandamid. Der CB1-Rezeptor-Antagonist allein hatte jedoch keine Wirkung. Anandamid scheint daher nur dann zu wirken, wenn die Bronchialmuskulatur angespannt ist, wie etwa bei einem Krampf der Atemwege, der durch Capsaicin ausgelöst wurde.

“Wir denken, dass wir Husten verschiedener Ursachen durch Beeinflussung der Cannabinoidrezeptoren in den oberen Luftwegen behandeln können,” erklärte Dr. Daniele Piomelli, einer der Forscher des Teams und Pharmakologe an der Universität von Kalifornien, in einem Interview. “Da sich die meisten heute üblichen Behandlungsmethoden auf das Hustenzentrum, eine kleine Region im Hirn, das auf Codein und ähnliche Medikamente anspricht, konzentrieren, ist diese Erkenntnis von besonderer Bedeutung.” Die Forscher hoffen, bald mit Studien am Menschen beginnen zu können.

Quellen: REUTERS von 1. November 2000; Calignano A, et al: Bidirectional control of airway responsiveness by endogenous cannabinoids. NATURE 2000;408:96-101

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